„Wozu fordert uns diese Situation heraus?“ war und ist eine Frage, die wir uns in unserer Rolle als Referenten seit Ausbruch der Pandemie immer wieder gestellt haben.

Prozesse und Abläufe, die wir in unseren zahlreichen Fortbildungen über Jahre erarbeitet und erfolgreich angewandt hatten, wurden plötzlich unmöglich, weil keine Präsenzveranstaltungen mehr erlaubt waren

Nun lag und liegt es also an uns selbst, die freien Bereich zu erkennen und neue Möglichkeiten in der Online-Vermittlung von Lerninhalten zu entdecken.

Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass die Reichweite von Uni-Kursen plötzlich weit über Studenten in München hinausgehen kann und auch internationale Teilnehmer aus der Türkei, Ghana oder Italien dabei sind? Und ist es nicht erstaunlich, dass gerade digitale Tools eine gut geführte, nachvollziehbare Diskussion zwischen Dozent und Teilnehmern ermöglicht?

Entgegen aller Vorbehalte, die wir im März 2020 noch hatten, ist auch in zwei-tägigen Fortbildungen bisher niemand eingeschlafen. Das Teilnehmer-Feedback wie auch die Lernerfolge sind nachweislich die gleichen.

Uns macht das Mut, weiter neue Wege zu gehen – auch dann, wenn wir eines Tages besser mit dem Virus umgehen gehen. Für Sie haben wir deswegen unsere wichtigsten Learnings für Online-Fortbildungen zusammen gestellt.

Vor der Sitzung / Session

  • Einen eigenen, ziemlich detaillierten Plan, zur zeitlichen Einteilung der Fortbildung erstellen. Wichtig ist hierbei, auch ausreichend Pausen (für sich selbst und die Teilnehmer) einzuplanen.
  • Unbedingt notwendig: mit der entsprechenden Software und deren Funktionsweise auseinandersetzen. Hilfreich kann auch ein Test im privaten Umfeld sein, ob alles funktioniert; dazu gehört u.a. auch der Umgang mit Slides bei gleichzeitigem Einblenden der Teilnehmer.
  • Eine stabile Internetverbindung sicherstellen!
  • Leitlinien für Teilnehmer zur Vorbereitung auf die Online-Fortbildung schicken (z.B. Video an, Ton aus, stabile Internetverbindung sicherstellen).
  • Das inhaltliche Material (zum Beispiel Charts) vorab zur Verfügung stellen, üblicherweise per e-Mail.
  • Teilnehmer sollten sich bei einem Meeting (z.B. Zoom) mit ihrem richtigen Namen benennen, sodass man besser zusammenarbeiten kann.
  • Nach Möglichkeit sollten alle Teilnehmer ihr Video standardmäßig angeschaltet haben, dafür aber das Mikro ausgestellt. Die Stummschaltung kann und sollte natürlich aufgehoben werden, um ins Gespräch zu kommen oder zu einer Diskussion beizutragen. Es ist jedoch wichtig, Teilnehmern zu Beginn zu erklären, dass Hintergrundgeräusche (z.B. Müllauto fährt vorbei, Hund bellt, Kinder streiten) die Audioverbindung der aktuellen Sprecher stört, und dass es daher wichtig ist, das eigene Mikro. nur anzustellen, wenn man selbst spricht.
  • Nach Bedarf interaktive Tools wie Wordclouds (z.B. mentimeter) oder virtuelle Whiteboards (z.B. miro) mit entsprechenden Fragen und Links vorbereiten.
  • Den Umfang und die zeitliche Struktur klar an die Teilnehmer kommunizieren. Auf welche Zeitblöcke und welche Pausen können sie sich einstellen?

Während der Sitzung / Session

  • Es hat sich als sehr hilfreich erwiesen, eine sog. Seminarbetreuung zu haben, die sich z.B. um Fragen / Kommentare im Chat kümmert und bei technischen Problemen der Ansprechpartner ist.
  • Wenn Probleme oder Fragen auftreten, Teilnehmer ermutigen, kurz das Mikro einzuschalten und Fragen direkt auszusprechen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass technische Probleme nicht vom Referent geklärt werden können – alle anderen Teilnehmer bezahlen gerade für Fortbildungsinhalte. Stellen Sie also sicher, dass Sie einen technischen Support haben.
  • Die Teilnehmer bewusst und direkt ansprechen, gerne auch mit dem Namen (sofern es sich natürlich anfühlt).
  • Immer wieder den direkten Blickkontakt suchen: dafür immer wieder direkt in die Kamera schauen (auch wenn es sich am Anfang merkwürdig anfühlt).
  • Gestik und Mimik bewusst einsetzen; mit den Händen zu gestikulieren kann hilfreich sein, wenn ein ausreichender Abstand zur Kamera besteht.
  • Klare Erklärungen über das eigene Verhalten geben, z.B. ich teile jetzt meinen Bildschirm, um Ihnen das Schaubild zu zeigen.
  • Den Teilnehmern ausreichend Zeit lassen, auf Fragen zu antworten – dies kann manchmal länger dauern als in Präsenz-Veranstaltungen.
  • Zwischendurch immer mal wieder „einchecken“, ob auf Teilnehmerseite alles gut ist (generell gut, nicht nur im Online-Kontext).
  • Balance finden zwischen Wissensvermittlung (eher im Vortragsstil) und interaktiven Elementen (bspw. Gruppenarbeit, Diskussionen im Plenum, etc.)
  • Falls möglich und gewünscht, Gruppenarbeit in Break-Out-Groups anbieten.

Nach der Sitzung / Session

  • Sofern benötigt, Follow-Up mit Links zu Artikeln oder anderes Material verschicken (üblicherweise per E-Mail).
  • Ganz wichtig: anonymes Feedback einholen, zum Beispiel kostenfrei über Google Forms oder Typeform. Dies ermöglicht dem Referenten, für zukünftige Fortbildungen dazu zu lernen und die wertvollen Rückmeldungen über Erfahrungen in weitere Veranstaltungen einfließen zu lassen.

 

Ein Artikel von: Dina Roos & Dr. Nina Bürklin.